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Die Aera Benthaus - grundlegend für die Geschichte des FCB

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Beitrag von Peter am Mi Nov 16, 2016 2:34 pm

Die sicherlich alles überragende Aera war diejenige des Helmut Benthaus. 1965 als Spielertrainer gekommen, 29, wie er das beschrieben hat, weil sich der Kölner Präsident mit dem FCB-Präsident Lucien Schmidlin handelseinig wurden, dass der gerade sein Trainerdiplom erhaltene Helmut Benthaus zum FCB würde wechseln können. Diesem gefiel das nicht allzu sehr, da er gerne in Köln geblieben wäre, aber man liess durchblicken, dass er auf die neue Saison hin mit keinem Stammplatz würde rechnen können.

Unter diesen also eigentlich nicht ganz idealen Bedingungen kam Helmut Benthaus nach Basel - und sollte sich gleich nochmal mit einigen unangenehmen Überraschungen konfrontiert sehen, die Garderobe auf dem alten Landhof war uralt, trainert wurde nicht im Stadion, sondern auf ein Rasendreieck hinter dem Gebäude - um den Rasen zu schonen.  Der Platzwart war der starke Mann im Klub. Vom einem Klub, der in der zwei Jahre zuvor gegründeten Bundesliga und damit schon Profiklub, in die Niederungen des Schweizer Amateurfussballs - das muss für Helmut Benthaus ein Schock gewesen sein. Doch das ganze hatte auch seine positive Seite: Die Erwartungen des Umfelds waren auch nicht hoch, man freute sich über Siege und litt nicht allzu stark unter Niederlagen. Man schien mit dem Mittelmass ganz zufrieden, wie Helmut Benthaus schrieb.

Vor diesem Hintergründen ist es erstaunlich, dass gerade der Antritt von Helmut Benthaus einen solchen Erfolg beschied, ohne den auch die heutige erfolgreiche Zeit wohl nicht denkbar wäre. Gerade aber nicht erwarteter Erfolg ist vielleicht der schönste. Ich teile die Aera Benthaus in folgende fünf Phasen ein:

1. Das Anlaufjahr 1965/66
2. Die sieben goldenen Jahre 1967-1973 (5 Meistertitel, 1 Cupsieg, 1 Vizemeister, dreimal Vizecupsieger)
3. Die sieben silbernen Jahre 1973-1980 (2 Meistertitel, 1 Cupsieg, 2 UEFA Cup Qualifikationen)
4. Beginn des Niedergangs 1980-1982 (Rang 6 und 8, 1 Vizecupsieg)
5. Fortsetzung des Niedergangs 1985-1987 (Rang 10 und 12, Abstiegsdoppelbarrage)

Die Emotionen, die dieser Klub in der Stadt auslöst, wären wohl ohne die Aera Benthaus nie möglich geworden. Sicher, ein Interesse hätte es schon gegeben, aber vielleicht hätte den Klub das gleiche Schicksal ereilt wie Servette oder Xamax, oder auch dasjenige des EHC Basel. Wahrscheinlich nicht ganz dasjenige von Nordstern, in den 20er und Kriegsjahren die Nr. 1 in Basel, der nach 1982 von der NLA sukzessive bis in die 4. Liga fiel.

Die enormen Erfolge der goldenen Zeit, die Meisterfeiern, legendäre Spiele vor über 50 000 Zuschauern wie im Cuphalbfinal gegen Lugano und in der Meisterschaft gegen den FC Zürich sorgten dafür, dass auch in den dunklen Jahren der Achtziger und Neunziger Jahre die Hoffnung da war, dass die goldenen Zeiten irgendwann wiederkommen würden. Und der Klub war den Baslern nie gleichgültig, wiewohl es auch Phasen gab, wo sich nur ganz wenige ins Stadion verirrt hatten - zu sehr wurden die Erwartungen immer wieder enttäuscht. Zu sehr aber auch die Zurückhaltung des "Taigs" gegenüber dem Klub - Fussball war irgendwo immer noch Prolosport, jedenfalls kamen die Sponsoren lange nur aus dem Mittelstand - "ich verstehe nicht, warum die Chemie nichts macht" seufzte Karli Odermatt Mitte der 80er Jahre, als er Geld für den FCB suchte. Doch davon anderswo mehr. Jedenfalls war der Klub nicht gleichgültig auch dem, der nicht ins Stadion ging, wie man aus vielen häufig auch spöttischen Unterhaltungen herausfühlen konnte. Ein FC Nordstern weckte da sehr viel weniger Emotionen.

Aber zurück zum Jahr 1965. Da traf also Helmut Benthaus auf einen, wie er selbst schrieb "sympathischen, aber ineffizienten Amateurismus", aber auf der anderen Seite ein Publikum und eine Anhängerschaft, der Erwartungen nicht überbordend waren, wie er es dann 1985 erleben und daran weitgehend scheitern sollte. Als er seine erste Saison zum Aufbaujahr erklärte, wurde dies problemlos akzeptiert.

Wohl einiges mehr an Widerstand musste er überwinden, als er durchsetzte, dass im Stadion Landhof und nicht mehr auf dem Nebenplatz trainiert wurde. Und dass auch häufiger und härter trainiert werden sollte - immhin waren alle damals Amateure, wiewohl Geldzahlungen erfolgten. Er selbst war auch nicht nur Trainer, sondern gleichzeitig Spieler. Der sechste Rang in der ersten Saison entsprach also den Erwartungen.


(Wird fortgesetzt)


Zuletzt von Peter am Do Nov 17, 2016 12:10 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Beitrag von Erasmus am Mi Nov 16, 2016 5:13 pm

Guter Anfang. Ich bin auf die Fortsetzung gespannt.
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Beitrag von Peter am So Dez 04, 2016 12:24 pm

Hier einer der guten Beiträge aus dem anderen Forum:

http://www.fcbforum.ch/forum/showthread.php?37431-Ufwache-FCB-im-2017&p=1607903#post1607903

Zusammenfassung der Stimmung unter Helmut Benthaus und dann die weitere Entwicklung - und ein Vergleich zu heute.

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Die Aera Benthaus - grundlegend für die Geschichte des FCB Empty Der 11. April 1981 - der Beginn des Niedergangs

Beitrag von Marek am Fr Apr 10, 2020 1:09 pm

Der Beginn des Niedergangs des FC Basel in den 80er Jahren lässt sich - im Nachhinein - exakt auf ein Datum festlegen: Auf den 11. April 1981. Damals spielte der FC Basel, immerhin Titelverteidiger, noch vorne mit, die Meisterschaft war ebenso möglich wie der UEFA Cup. Dann kamen die Grasshoppers ins Joggeli. Die 1:5 Niederlage sollte die höchste Heimniederlage in der Meisterschaft unter Helmut Benthaus sein, eine gleich hohe gab es gegen den gleichen Gegner in der Saison 1965/66, der allerersten unter Helmut Benthaus.

Schon in der 2. Minute wurde Walter Geisser von Herbert Hermann so gefoult, dass er durch den Elsässer Serge Gaisser ersetzt werden musste. Heute wäre Herbert Hermann vom Platz gestellt worden, damals gab es nur eine gelbe Karte. Mit einem Tor durch Markus Tanner in der 14. Minute ging der FCB in Führung, in der 24. Minute glich Joko Pfister aus und kurz vor der Pause drehte Andy Egli die Partie. Nach der Pause wurde das Unglück perfekt, drei weitere Gegentore durch Roger Wehrli, Claudio Sulser und Livio Zanetti musste der FC Basel kassieren. Marcel Koller, damals schon im Kader der Grasshoppers, fehlte in diesem Spiel verletzt.

Das Matchtelegramm: https://www.fcb-archiv.ch/saison/spiele?command=detail&id=20395

Diese Niederlage musste der Mannschaft einen Knacks gegeben haben, denn bis Ende Saison sollten nun sieben sieglose Partien folgen, einer Heimniederlage gegen das damals aufstrebende Xamax und einer bei Servette sollten nur fünf Unentschieden gegenüberstehen. Punkto Meisterschaft und UEFA Cup fiel der FCB aus allen Traktanden - und zwar für eine sehr sehr lange Zeit, bis zur Saison 1999/2000, der ersten unter Christian Gross.

Mit dieser Niederlage sollte auch eine unglaubliche Serie von 33 sieglosen Partien von Helmut Benthaus gegen die jeweils fünf besten Mannschaften der jeweiligen Saison beginnen - gerechnet vom eben diesem 11. April 1981 bis Juni 1982 und dann vom August 1985 bis zum Juni 1987. Nur sechs Unentschieden standen 27 Niederlagen gegenüber. In der allerletzten Saison von Helmut Benthaus, 1986/87, sollten alle 10 Spiele verloren gehen und nur in extremis gelang dem FC Basel dann noch der Klassenerhalt.

Nach diesem 11. April 1981 gelang es mit Ausnahme von Interimstrainer Mile Müller (22 Punkte in 19 Runden) weder Helmut Benthaus, noch seinen anderen Nachfolgern über einen längeren Zeitraum eine positive Bilanz in der Meisterschaft zu erspielen - also mehr Spiele zu gewinnen als zu verlieren. Zuvor war das Helmut Benthaus in jeder seiner 15 Saisons und den 18 Meisterschaftsrunden vor dem 11. April 1981 jener Saison gelungen. Der FC Basel wurde also tatsächlich über Nacht von einer Spitzenmannschaft zu einer Mannschaft des unteren Mittelfelds und, als die NLA 1987 auf 12 Mannschaft reduziert wurde, zu einem Abstiegskandidaten und 1988 zum Absteiger.


Der Fairness halber den Trainern nach dem Aufstieg von 1994 gegenüber muss erwähnt werden, dass es in der 12er Liga mit 8er Finalrunde natürlich einiges schwerer war, eine positive Bilanz zu erspielen, als in der 16er Liga unter Mile Müller.

Im Umfeld des FC Basel wie auch beim Publikum und der Basler Öffentlichkeit blieb diese Entwicklung unbemerkt. oder sagen wir mal, man wollte sie nicht wahrhaben. Zwei Jahre zuvor hatte der FC Basel ebenfalls eine sehr schlechte Endphase der Meisterschaft gespielt, nach zwei Heimsiegen zu Beginn holte man in den letzten sieben Partien nur noch einen Punkt, in dieser Finalrunde spielten damals sechs Mannschaften, also die besten fünf Gegner. Und doch wurde der FC Basel in der folgenden Saison wieder Meister. Also kam auch im Sommer 1981 noch keine Alarmstimmung auf.

Es wurde dann mit Harald Nickel ein spektakulärer Stürmer von Borussia Mönchengladbach geholt und schlug im Alpencup ein - in fünf Partien fünf Tore, der FC Basel gewann diesen durchaus nicht bedeutungslosen Wettbewerb gegen prominente französische Klubs wie Bordeaux, Bastia und Sochaux. Nickel versenkte den entscheidenden Penalty im Penaltyschiessen im Final gegen Sochaux. In der Meisterschaft begann man gut, hatte nach fünf Runden neun Punkte, Nickel erzielte gegen den Stadtrivalen Nordstern einen Hattrick. Die Gegner waren allerdings nicht stark, es waren die drei Aufsteiger und die beiden späteren Absteiger Nordstern und Chiasso. Dann aber folgten sieben sieglose Spiele und bis zur Winterpause hatte man nur 15 Punkte aus 15 Spielen und war von der Spitze abgehängt.

Es muss damals irgendwie Unruhe in die Mannschaft gekommen sein, die vielleicht auch schon in der Vorsaison schwelte, jedenfalls verliess nach nur sieben Runden die langjährige Stütze Detlev Lauscher den Klub in Richtung Luzern, Nickel traf auch nur noch drei Mal bis Ende Saison, landete auf der Bank. Die BaZ druckte ein Dementi ab, wonach es folgenden Dialog NICHT gegeben hatte: Helmut Benthaus soll Detlev Lauscher "Du Sauschwob" gesagt haben, und dieser soll "Sie Kuhschweizer" geantwortet haben - in Anspielung an die Einbürgerung von Benthaus, die kurze Zeit davor erfolgte. Auch wenn es diesen "Dialog" so wohl wirklich nicht gegeben hat, Unruhe im Team gab es ohne Zweifel.

Unruhe gab es auch im Verein, man hatte sich finanziell unter Präsident Pierre-Jacques Lieblich übernommen, auch und gerade mit dem Nickel Transfer. Präsident Lieblich wurde abgesetzt, einzelne Spieler schlossen neue Verträge ab, wohl nicht zu ihrem Vorteil sondern als Entgegenkommen dem Klub gegenüber, der in finanziellen Schwierigkeiten steckte - ein hochakutelles Thema. Von einer Million Franken Schulden war die Rede, damals eine enorme Zahl. Hier die Quelle, siehe unter Bemerkungen: https://www.fcb-archiv.ch/saison/spiele?command=detail&id=20452

Als ein besonderes Kapitel sollte Harald Nickel werden, doch davon ein anderes Mal mehr.

Marek

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Die Aera Benthaus - grundlegend für die Geschichte des FCB Empty Re: Die Aera Benthaus - grundlegend für die Geschichte des FCB

Beitrag von Peter am Di Apr 28, 2020 11:07 am

Hier ein zeitgenössischer Artikel, der recht gut den Niedergang des FCB beschreibt, in den google "der lange abstieg des FC Basel" eingeben und dann downloaden, kommt als pdf, kann dann gelesen werden.

Peter
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Beitrag von Marek am Di Apr 28, 2020 11:32 am

Der Fall Nickel, ist, wie im Beitrag weiter oben beschrieben, einer der wichtigsten Meilensteine in Richtung Abstieg von 1988. Erstaunlicherweise hat Josef Zinden, im ersten Buch von 2001 dieses Kapitel, ausgelassen. Harald Nickel ist ja im August 2019 verstorben, das habe ich erst später erfahren, im fcborum wurde es nicht thematisiert auf fcb.ch hat JoZ einen immerhin recht guten Beitrag geschrieben. Wer kanns isch an weitere Einzelheiten dieses Falls erinnern?

Ich habe jedenfalls auch etwas recherchiert, und wie oben detailliert beschrieben, auf eine interessante Erkenntnis gestossen: Der Beginn des Abstiegs des FCB hat ein klares Datum: der 11. April 1981. Damals verlor der FCB zu Hause mit 1:5 gegen GC, ein für mich damals unfassbares Resultat, obschon es zuvor zu Hause auch Niederlagen mit 1:4 oder 2:5 gab, an zweien war ich sogar im Stadion. Trotzdem fühlte es sich, zumindest für mich, irgendwie sehr deftig an. Das nächste Heimspiel verlor dann der FCB, der ja immerhin Titelverteidiger war, gegen Xamax mit 1:2, auch das für meine Wahrnehmung damals ungeheuer, Xamax war in meinem Empfinden ein Mittelfeld- oder Abstiegszonenklub, aber genau damals fand gewisser massen die Ablösung statt, wo der NX aus einem 8 Jahre zuvor aus der NLB aufgestiegenen Klub zum Spitzenklub wurde und dem FCB genau die umgekehrte Entwicklung bevorstand.

Dabei war der FCB bis vor dem Spiel gegen GC immer noch im Meisterschaftsrennen dabei, aber in den letzten 8 Runden blieb er bei 5 Unentschieden und 3 Niederlagen sieglos. Und ähnlich ging es dann in der folgenden Saison weiter, besonders beachtenswert, dass es dem FCB unter Helmut Benthaus ab dem 11. April 1981 nicht mehr gelingen sollte, einen der Top 5 der jeweiligen Saison zu schlagen, auch zwischen 1985 und 1987 nicht. Und das waren 33 Spiele! Die Bilanz war mit 0 - 7 - 26 eigentlich drastisch.

Und das obwohl eben im Sommer 1981 mit Harald Nickel ein Spieler aus der Bundesliga kam, der dort keineswegs ausrangiert war, mit 28 immer noch im guten Alter und ja zunächst auch im Alpencup mit 5 Toren in 5 Spielen auch brilliert hat. In der Meisterschaft dann noch ein Hattrick gegen Nordstern, dann aber nur noch ein Tor und in der Rückrunde nur noch zwei Tore. Bei 20 Meisterschaftsspielen in der NLA damals für einen Spieler, der im Jahr zuvor noch in der Bundesliga Stammspieler war, eigentlich unverständlich. Dann wurde er in die Wüste geschickt, aber offenbar wurde der Vertrag nicht richtig aufgelöst und Nickel wurde zum "Fall", aber wohl nicht aus eigener Schuld, denn offenbar stimmte es zwischen Mannschaft und Trainer eben seit diesem 11. April nicht mehr und daran konnte auch dieser teure Spieler nichts mehr ändern.

Warum man es damals nicht unter dem antretenden Trainer Ohlhauser nicht nochmal auf einen Versuch hat ankommen lassen, wenn er ja nicht selbst bereit war, zu gehen, weiss ich nicht, vermuten kann man, dass man ihn als Störenfried betrachtet hat, auch durfte man damals nur einen Ausländer verpflichten, und man hatte mit Winfried Berkemeier jemanden von YB geholt, fürs Mittelfeld, während man im Sturm wahrscheinlich meinte, das Talent Beat Sutter würde reichen. Wie auch immer, man hatte die Rechtslage wohl falsch eingeschätzt, denn was der Stadtchroniker Urs Vogt Ende 1988 geschrieben hat (wie Peter im Vorpost beschrieben), so war selbst zu diesem Zeitpunkt noch nicht alles bezahlt, worauf Nickel Anspruch hatte. Dabei kann ich mich aber an eine Erwähnung vom Sommer 1983 - evtl. 1984 - in der BaZ erinnern, wo die Rede davon war, dass es Urs Gribi gelang, mit einem Scheck von 100 000.- Fr. Nickel zu überzeugen, eine Erklärung zu unterschreiben, dass seine Forderungen damit abgegolten wären. Der Anwalt von Nickel, der offenbar nicht dabei war, zeigte sich erstaunt, und sprach davon, dass 485 000 Fr. ausstehend seien (die Zahl kann ich natürlich auch falsch im Kopf haben). So stand es in der Baz, aber eben, das war wohl entweder eine Ente, oder aber man hatte wieder was falsch eingeschätzt, was für den FCB damals wohl halt auch nicht untypisch gewesen wäre.

Das bittere Fazit ist, dass es dem FCB damals einfach an Professionalität gefehlt hat, denn die Präsidenten waren Ehrenämtler und Sportchefs gab es keine und dem Trainer fehlte m.W. auch ein Assistent, was eben auch ein Aspekt sein kann. In Stuttgart hatte übrigens Benthaus einen Assistenten, Willi Entenmann, der übrigens, nach einem Zwischenspiel mit Otto Baric, die Mannschaft sehr erfolgreich trainiert hat. Unter Benthaus gab es nach dem Meisterjahr 1984 dann einen ordentlichen Absturz. Und nicht wie Benthaus vor gut einem Jahr gesagt hat, man habe die Mannschaft nicht verjüngt, denn zur Mannschaft ist neben dem belgischen Nationalspieler Nico Claasen noch ein weiterer grosser Name gestossen, Jürgen Klinsmann. Das eben gleich nach dem Meisterjahr.

Zu den Präsidenten - Pierre-Jacques Lieblich muss viele Fehler gemacht haben, unter anderem auch Nickel verpflichtet zu haben für zu viel Geld und wohl auch für eine zu lange Vertragsdauer. Aber seine Nachfolger konnten es auch nicht ins Reine bringen, warum auch immer. Roland Rasi folgte unmittelbar auf Gribi, ein Banker, im Militär später Oberst des Basler Inf Rgt 22, und damit zur Zeit seiner Präsidentschaft Hauptmann oder Major, was auch viel Zeit in Anspruch nahm. So kann die banale Erklärung sein, dass das Chaos auch eben durch dieses Ehrenämtlertum verursacht war, zu einer Zeit, da Spieler und Trainer Profis waren und damit teuer wurden. Schwierige Fälle wurden nicht gelöst, weil einfach die Zeit dazu nicht blieb, Eine These.

Hat jemand das neue Buch von Josef Zindel, 125 Jahre FC Basel, zur Verfügung? Was wurde dort über den Fall Nickel geschrieben?

Marek

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